Kolumbien: Gegen unseren Willen und unsere Rechte

von Gabriel Jaime Moscoso Prada

(29.04.2010) Vielleicht denken viele, dass die Armee, da sie eine Einheit der Regierung und „Verteidiger der Gesetze“ ist, diese auch respektiert, aber beklagenswerterweise weiß die Mehrheit der Menschen nicht, dass die Armee junge Leute einberuft, die dazu NICHT geeignet sind, wie ich, Gabriel Jaime Moscoso Prada, ein weiter junger Mensch aus dieser Stadt, der mit dem Krieg nicht einverstanden ist und der am 12. Februar 2008, dem größten Rekrutierungstag in der Geschichte dieses Lande, einberufen wurde, obwohl er einziger Sohn ist, an der Sena-Universität studiert und zum Sehen eine Brille braucht. Ich wurde zusammen mit weiteren 69 jungen Männern nach Puerto Berrio Antioquia zur 14. Brigade des Heeres gebracht, darunter Minderjährige, verschiedene, die studierten, unter anderem zwei mit Brille. Von allen, die in den Umkleideräumen des Stadions Atanasio Girardot untergebracht waren, kann ich sagen, dass keiner mit absoluter Lust, zur Armee zu gehen, an diesem Ort war, die Mehrheit äußerte Gefühle von Trauer, Angst, Beklemmung, Verzweiflung und Kummer, als wir sahen, dass wir gezwungen sein würden, Teil dieses kalten und erbarmungslosen Krieges zu sein, der von Tag zu Tag mehr unserer jungen Leute dahinrafft und sie zwingt, Interessen zu verteidigen, die wir in vielen Fällen gar nicht kennen. Es waren auch welche da, denen es egal war, den Wehrdienst abzuleisten oder nicht, aber die nicht fern von ihren Familien sein wollten.

Es müssen auch die Fälle von Desertion und Selbstmord aufgrund der Zwangsrekrutierung erwähnt werden, denn auch wenn viele das nicht wissen, die Anzahl der außerhalb des Kampfes umgekommenen Soldaten ist ziemlich hoch, nicht nur aufgrund der willkürlichen Einberufung, sondern aufgrund der höchst beleidigenden Behandlung und der psychologischen Gewalt, ohne zu rechnen, dass das einzige, was sie lehren, das Töten ist und blind den Befehlen der „Oberen“ zu gehorchen, und es spielt keine Rolle, dass man dazu über das Volk hinweggehen muss, das man angeblich verteidigen soll.

Aus diesen und einigen anderen Gründen bin ich Kriegsdienstverweigerer. Die Wirklichkeit wahrzunehmen ist der erste Schritt dahin, sie zu verändern. Verweigere den Kriegsdienst!

Gabriel Jaime Moscoso Prada: En contra de nuestra voluntad y nuestros derechos. 29. April 2010. Übersetzung: Gerd Büntzly. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Februar 2011

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