Abraham Mehreteab

Ein Nachruf auf den Aktivisten der Eritreischen Antimilitaristischen Initiative

von Rudi Friedrich

(10.12.2015) Am vergangenen Montag verstarb Abraham Mehreteab in Offenbach am Main. Er war seit Jahren für die Eritreische Antimilitaristische Initiative aktiv und hatte zuletzt das Handbuch für gewaltfreie Kampagnen sowie die Broschüre Von der Diktatur zur Demokratie ins Tigrinische übersetzt und innerhalb der eritreischen Community verbreitet.

Bereits mit 10 Jahren musste er unter den Folgen des Krieges in seinem Heimatland leiden. Beim Spielen explodierte eine Mine in seiner Hand. Dabei verlor er seinen rechten Arm und war zunächst praktisch blind. Trotzdem machte er sein Abitur und konnte schließlich ein Jurastudium an der Universität Asmara im neu gegründeten Staat Eritrea aufnehmen.

Während seines Studiums schloss sich Abraham der Kampagne gegen Landminen an und nahm internationale Kontakte auf. 1997 konnte er durch Operationen in Südafrika teilweise wieder sehen. 1998 schloss er sein Studium ab und erhielt im gleichen Jahr den Reebok Human Rights Award (Reebok Menschenrechtspreis) als einer der jungen Aktiven der Kampagne gegen Landminen.

Danach setzte sich Abraham dafür ein, dass in Eritrea die einige Jahre zuvor verabschiedete Verfassung tatsächlich umgesetzt werde, was nach wie vor nicht geschehen ist. Während eines Auslandsaufenthaltes wurden Mitglieder seiner Gruppe in Eritrea verhaftet und verschwanden spurlos. 2003 erhielt Abraham Mehretab Asyl in Deutschland.

Wir lernten Abraham 2003 kennen, als wir gemeinsam mit ihm und anderen Eritreern eine Dokumentation mit Interviews und Hintergrundbeiträgen zur Lage der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure aus Eritrea erstellten und veröffentlichten. Er sorgte für Kontakte zu DeserteurInnen, übersetzte und gründete schließlich mit den DeserteurInnen die Eritreische Antimilitaristische Initiative, die immer eine Stimme für die Stimmlosen sein wollte: "Als Eritreer sehen wir die fürchterliche Realität in unserem Land. Wir sind die einzigen, die sie verändern können. Es besteht immer noch die Chance, die unmenschliche Politik zu verändern und unseren eritreischen Mitmenschen zu helfen."

In den letzten Jahren setzte er sich auch im Rahmen der War Resisters' International für das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung, für gewaltfreie Strategien und die Demokratisierung eines Landes ein, das von Diktatur und Militärherrschaft geprägt ist, immer in der Hoffnung auf "große Veränderungen". 2014 besuchten wir mit ihm am Rande einer Konferenz der War Resisters' International in Südafrika die dort aktive Eritreische Bewegung für Demokratie und Menschenrechte, um gemeinsame Projekte voranzutreiben.

Abraham starb nun an den Folgen eines Gehirntumors im 45. Lebensjahr.

Wir danken ihm für seinen unermüdlichen Einsatz für Frieden und Menschenrechte.

Rudi Friedrich, Connection e.V., 10. Dezember 2015. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe Februar 2016.

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