Syrien: Arabische Einwohner*innen demonstrieren gegen Zwangsrekrutierung im kurdischen Deir Az Zor

von Aljazeera

(08.05.2019) Die Proteste in der kurdisch regierten Deir Az Zor weiten sich aus. Araber*innen klagen über Diskriminierung und Zwangsrekrutierung.

Arabische Einwohner*innen im syrischen Deir Az Zor setzten ihre Proteste gegen die kurdische Regierung in der dritten Woche fort, so berichten Einwohner*innen und Stammesvertreter*innen. Die Proteste, die in verschiedenen Städten und Dörfern von Busayrah bis nach Shuhail ausbrachen, sprangen am Mittwoch auf das östliche Ufer des Euphrat über, wo die meisten Ölfelder liegen. Die Demonstrant*innen beschweren sich über fehlende Grundversorgung und Diskriminierung bei den örtlichen, von kurdischen Vertretern geführten, Verwaltungen.

Wichtige Punkte waren nach Angaben von Einwohner*innen und Stammesvertreter*innen desweiteren die Zwangsrekrutierung von Jugendlichen in die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) und das Schicksal von Tausenden, die in ihren Gefängnissen inhaftiert sind. „Ihre repressive Herrschaft hat viele gegen sie aufgebracht“, sagte Abdul Laif al-Okaidat, ein Stammesführer.

„Nein zum Diebstahl von unserem Öl“, sangen Demonstrant*innen in der Stadt Greiney, einem Teil des arabisch-sunnitischen Stammlandes, das vor mehr als einem Jahr von der von den USA unterstützten SDF und den kurdischen bewaffneten Gruppen der YPG besetzt wurde. Die YPG hat lange Zeit Rohöl an die syrische Regierung von Bashar al-Assad verkauft, mit der sie enge wirtschaftliche Beziehungen unterhält und Weizen und andere Rohstoffe über ihr Hoheitsgebiet exportiert.

Die verstärkten Verkäufe von Öl zur Linderung der Treibstoffkrise in Damaskus hat die arabischen Demonstrant*innen vor Ort wütend gemacht. Auf vielen Plakaten stand, dass sie ihres Wohlstands „beraubt“ werden. „Uns wird alles genommen, während die Kurden unser Öl verkaufen, um dem Regime zu helfen und sich selbst zu bereichern“, sagte Abdullah Issa, ein Demonstrant aus der Stadt Al Tayaneh.

Die Proteste wurden gewalttätig, als wütende Mobs auf die Straße gingen und sie für die mit Öl beladenen LKWs sperrten, die auf dem Weg von den Ölfeldern zu den von der Regierung kontrollierten Gebieten waren. In einigen Dörfern feuerte die SDF auf die Demonstrant*innen. Mazloum Kobani, Kommandeur der SDF, äußerte sich und bezog sich wohl auf die Unruhen, dass seine Truppe die „einzige Institution sei, die sich jeglicher Form von Rassismus enthalte“. Die Proteste hielten an, nachdem die Kommandeure der YPG Stammesvertreter*innen keine Zugeständnisse machten. Die Stammesvertreter*innen hatten sich letzten Freitag auf Einladung in der Stadt Ain Issa versammelt, so zwei Teilnehmer.

Kurdische Kontrolle

Die ergiebigsten Ölfelder in Syrien befinden sich in kurdischer Hand, seitdem die YPG Ende 2017 ihre Kontrolle nach der Eroberung der Stadt Raqqa aus der Hand des Islamischen Staates über große Teile des nordöstlichen Syriens ausgeweitet hat. Die syrische Regierung kontrolliert Gebiete westlich des Euphrat, die geringere Ölvorkommen haben. Nach Angaben von Diplomaten hat Washington in den letzten Wochen seine Bemühungen verstärkt, kleine Öltransporte für die syrische Regierung durch Schmugglernetzwerke einzudämmen. Die SDF hat die bislang größte Herausforderung für ihre Herrschaft über Zehntausende Araber bislang nicht öffentlich kommentiert. Die YPG hat versucht, die jahrzehntelange Unterdrückung der Minderheit der Kurd*innen unter der arabischen Ba’ath-Partei in Syrien zu beenden.

Aljazeera: Arab residents rally against Kurdish rule in Syria’s Deir Az Zor. 8. Mai 2019. Übersetzung: rf.

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