Steig aus!

Eine Information für unzufriedene Soldaten aus Russland

Schon mal darüber nachgedacht?

Warum soll ich in einem Land kämpfen, das Russland nicht angegriffen hat?

Warum kämpfe ich gegen Menschen, die mit meiner Familie verwandt sind?

Warum müssen wir auf Zivilisten schießen?

Hier geben wir Ihnen einige Tipps, was Sie und Ihre Familie machen können.

Wenn Sie sich aus der Truppe entfernen…

In Russland

gibt es ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Es wurde in den vergangenen Jahren jedoch zunehmend eingeschränkt. So schrieb die inzwischen verbotene Organisation Citizen. Army. Law 2020: „Regelmäßig wurden Anträge von Bürgern auf Ableistung eines Alternativen Dienstes mit unzumutbaren Begründungen abgelehnt oder der Antragsteller unberechtigterweise überwiesen zu einer psychiatrischen Untersuchung.“

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, der Einberufung zu entgehen. Eine Anleitung dazu hat die Bewegung für Kriegsdienstverweigerung erstellt. Anleitungen dazu finden Sie unter https://docs.google.com/document/d/1lDZNGSoPOgUEc4otDyEciXMkq_D8ynthLnFneDqJklI/edit#heading=h.ue2i17c0zw7i

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In der Europäischen Union

In Polen, Finnland, den Baltischen Staaten, Ungarn und vielen weiteren Ländern Westeuropas können Sie Asyl beantragen. Dazu müssen Sie in dem jeweiligen Land zu einer Aufnahmestelle für Flüchtlinge gehen und sich dort anmelden. Sie geben dort auch Ihre Personalien an. Es werden Daten über Ihre Person und Ihren Reiseweg erhoben.

Wir bitten zu beachten, dass es in Westeuropa zwischen den Ländern eine Vereinbarung gibt, dass der Asylantrag dort behandelt wird, wo Sie als erstes offiziell angemeldet sind. Wenn Sie also z.B. in Litauen einen Asylantrag stellen, muss auch Litauen den Asylantrag bearbeiten. Falls Sie trotzdem in andere westeuropäische  Länder weiterreisen, werden Sie zur Bearbeitung des Asylantrages in das Erstaufnahmeland zurückgebracht.

Wenn Sie Asyl beantragen, werden Sie nach wenigen Tagen eine Anhörung mit einem Beamten der zuständigen Aufnahmestelle für Flüchtlinge haben. In dieser Anhörung wird zunächst noch einmal Ihr Reiseweg abgefragt. Danach haben Sie die Möglichkeit Ihre Gründe für einen Asylantrag zu nennen. Ein wichtiges Argument kann sein, dass Sie sich einem Angriffskrieg gegen ein anderes Land entzogen haben. Schildern Sie so genau wie möglich Ihre Gründe und was Sie getan haben, um dem Einsatz im Krieg zu entgehen.

Wichtig ist auch, dass Sie wenn möglich Dokumente und Ausweise vorlegen können: Erkennungsmarke des Militärs, Militärausweis, Ausweis, Einberufung, Befehle über ihren Einsatzort usw.

Die Aufnahme von Flüchtlingen unterscheidet sich je nach Land. Sie müssen aber davon ausgehen, dass Sie als Asylantragsteller in einem Aufnahmelager zusammen mit vielen anderen Flüchtlingen untergebracht werden und auch dazu verpflichtet sind, dort während der Zeit des Asylverfahrens zu leben und zu wohnen. Die Möglichkeiten zu arbeiten sind stark eingeschränkt. Das Asylverfahren selbst kann mehrere Monate, zum Teil auch Jahre, dauern.

Wir empfehlen, dass Sie wenn möglich bereits vor Antragstellung mit Beratungsstellen für Flüchtlinge in dem jeweiligen Land in Kontakt treten. Diese Beratungsstellen können Ihnen auch Rechtsanwälte vermitteln.

Was Ihre Familie in Russland tun kann

Ihre Familie kann sich an die Militärkommissariate wenden, ihnen Appelle schreiben, sie mit Fragen löchern. Musterschreiben an die Militärkommissariate und das Verteidigungsministerium sind zu finden unter https://letters.mil.ru/electronic_recept...

Dies ist eine erste Kurzinformation. Unter der zentralen Webadresse https://www.connection-ev.org/get.out.2022 halten wir aktuelle Informationen sowie weiterführende Links vor.

Wer wir sind: Wir sind ein Zusammenschluss von Organisationen und Einzelpersonen aus Westeuropa, die jeden unterstützen wollen, der sich nicht am Kriegseinsatz beteiligen will.

Für weitere Fragen können Sie uns kontaktieren über
get.out.2022(at)gmx.de
+49 157 824 702 51 (in russischer Sprache)

Eine Information für Rekruten und Soldaten aus Russland, veröffentlicht am 10.5.2022. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe April 2022. Die Ursprungsvision wurde aktualisiert.

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