AKTION FÜR RUDI FRIEDRICH AM BERLINER HAUPTBAHNHOF
Werkstatt für Antifaschistische Aktionen ⸻ vom 22. Juli 2025

Am Wochenende kaperten Aktivist*innen aus der »Werkstatt für Antifaschistische Aktionen« (W2A) eine Werbevitrine am Berliner Hauptbahnhof. In der Werbevitrine platzierten sie ein selbstgemachtes schwarz umrandetes Plakat. Es zeigt ein Foto und den Namen des kürzlich verstorbenen Pazifisten Rudi Friedrich. Außerdem findet sich auf dem Plakat der Sterbemonat und die Internet-Adresse der Kampagne »Object War!«
»Diese Kampagne zur Unterstützung von Kriegsdienstgegner*innen vor allem aus Russland, Ukraine und Belarus hatte Rudi in den letzten Jahren massiv voran getrieben«, erklärt Kai N. Krieger, Sprecher*in der Aktiven aus der Werkstatt für Antifaschistische Aktionen. »Wir denken, es hätte ihm gefallen, dass Menschen ihm die letzte Ehre erweisen, indem sie auf seine politischen Inhalte hinweisen.«
Rudi war Geschäftsführer des Vereins »Connection e.V.«. Dessen Vorsitzender Frank Nadler teilte Freitag der Öffentlichkeit mit, das Rudi bei einem Wanderunfall im Urlaub in den Bergen in Italien am Montag, den 14. Juli 2025 tödlich verunglückt ist. »Wir möchten auf diese Weise den Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen von Connection e. V. und Rudis Familie und Freunden unser herzliches Beileid aussprechen«, erklärt Kai N. Krieger.
Rudi Friedrich wurde 62 Jahre alt. Er lebte in Offenbach am Main. Nachdem die DFG-VK (Anm. d. Red. — »Deutsche Friedensgesellschaft — Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen«) der Forderung eines Asyls für Kriegsdiesntverweiger*innen keine Priorität beimessen wollte, gründete Rudi 1993 mit anderen Pazifist*innen-VK den Verein »Connection e.V.«, der seit dem Kriegsdienstverweiger*innen in aller Welt und in Deutschland bei Asyl-Fragen unterstützte. Nach der russischen Invasion in die Ukraine startete Rudi mit seinen Mitstreiter*innen die #ObjectWarCampaign. Er schaffte es, Organisationen aus ganz Europa zusammen zu bringen, um Kriegsdienstgegner*innen aus Russland, Ukraine und Belarus zu unterstützen. Die Kampagne forderte außerdem einfacheres Asyl in der EU für die Betroffenen.
Was die #ObjectWarCampaign den Betroffenen praktisch bedeutete, macht Olga Karatsch, Direktorin der belarussischen Menschrechtsorganisation »Nash Dom« in einem Nachruf deutlich: »Ein Mensch, der uns zur Seite stand — leise, aber bestimmt. Dieser Mensch war Rudi Friedrich. Rudi hat nicht die Stimme erhoben oder versucht, das Gespräch zu dominieren. Er hat uns nicht belehrt. Er hörte einfach zu [...]. Rudi (gab) einen Grund zu glauben, dass Frieden nicht naiv, sondern notwendig ist — und dass Widerstand, selbst im Stillen, etwas zählt.« (Übersetzung nach Stephan Brües, Ko-Vorsitzender des BSV und BSV-Vertreter in der WRI, im Netz unter https://soziale-verteidigung.de/zum-tod-von-rudi-friedrich/)
Auch die Aktiven der W2A betrauern den viel zu frühen Tod Rudis. »Wir können uns den Worten Olgas nur anschließen«, sagt Kai N. Krieger. Denn von Rudis Vorbild könne man viel lernen. »Würden sich mehr Menschen in der Friedensbewegung ein Beispiel an Rudi nehmen: Sie wäre eine bessere.«
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