Kongo: Lehrwerkstatt für ehemalige Kindersoldaten

von Dialog International

Stellen Sie sich vor, Sie seien Ausbilder. Die Jugendlichen sind jahrelang nicht zur Schule gegangen, manche überhaupt nicht. Lesen und Schreiben - Fehlanzeige. Meter, Grad oder Liter sind Fremdwörter. Aber nicht nur das: die Jugendlichen sind so massiv psychisch gestört, dass ihre Eltern nicht mehr mit ihnen zusammenleben können - und praktisch alle sind mehrfache Mörder.

Im Kongo, in der Nähe von Bukavu, haben sich zwei Bürgerinitiativen der Herausforderung gestellt und Lehrwerkstätten für ehemalige Kindersoldaten gegründet.

Heute durchstreifen die Kivuregion Trupps von Jugendlichen, in Tarnkleidung oder in Edelklamotten, martialisch mit Waffen und anderem Männerspielzeug behängt. Manche haben nacheinander in Regierungsarmee, Rebellenarmeen und diversen Milizen gedient; jetzt sind sie entlassen, ihre Einheiten haben sich aufgelöst, sie sind desertiert, nachdem sie keinen Sold mehr bekommen hatten, oder vor den Grausamkeiten geflohen. Wenn sich niemand um sie kümmert, wird die nächste Miliz sie für den nächsten Krieg anwerben.

In den Lehrwerkstätten lernen 65 ehemalige Kindersoldaten ein Handwerk: Schreiner, Metall- und Lederverarbeitung. Unter anderem bauen sie Schulbänke für benachbarte Schulen.

Die ehemaligen Kindersoldaten bekommen eine Grundschulausbildung, lernen ein Handwerk und erhalten sogar noch eine Starthilfe für die Rückkehr ins bürgerliche Leben - zum Beispiel eine Ziege, die als "rotierender Kredit" vergeben wird: wenn die Ziege das erste Mal Nachwuchs bekommt, wird mit dem Zicklein der Kredit zurückgezahlt. Und die Schulbänke, die die ehemaligen Kindersoldaten bauen, werden einer Schule der Region zur Verfügung gestellt.

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Dialog International, März 2005. Auszüge. Quelle: http://www.dialog-international.org/projekt/kdsol/kindersoldaten_burhinyi.html. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und Antimilitaristische Angolanische Menschenrechtsinitiative (Hrsg.): Broschüre »Das andere Afrika: Widerstand gegen Krieg, Korruption und Unterdrückung«, Offenbach/M., April 2005. Wir danken für die finanzielle Förderung durch den Katholischen Fonds, den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), die Aktion Selbstbesteuerung e.V. (asb), das Bildungswerk Hessen der DFG-VK sowie den Fonds der EKHN »Dekade zur Überwindung der Gewalt«.

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